Wir gedenken unserem Nachbarn, Künstler, Philosophen, Philanthropen und Aktivisten Rudolf zur Lippe

09.09.2019

Wir haben Rudolf zur Lippe, emeritierter Hochschul-Professor für Philosophie, Künstler und Philanthrop, zunächst über seine Gemälde in der Werkstattgalerie und kurz darauf über sein unglaubliches Schöneberger Kiez-Projekt „Schönheit gegen Gewalt“ kennen- und wertschätzen gelernt: Mit barocker Opernmusik von Händel und Purcell gelang es ihm hier im Kiez, zusammen mit der Galerie und der „Stiftung Forum der Kulturen“ dem kriminellen Treiben einer Gang, die in den letzten Jahren „unseren“ Bürgerplatz Ecke Eisenacher Straße/Fuggerstraße für Anwohner in den Abendstunden unpassierbar machten, eine positive Energie der schönsten Art, nämlich durch Kunst und Musik, entgegenzusetzen.

So gab es diesen Sommer bereits im zweiten Jahr kleines, feines Open-Air-Konzert auf einer Bühne mitten auf „unserem“ Platz, mit erstklassigen Sängern, einen Barockensemble mit Originalinstrumenten und mit überdimensionalen Bild-Projektionen von Kunstgemälden an die Häuserwände. Nachbarn stellten zum Konzert Kerzen in die Fenster und konnten auf ihren Balkonen und auf mitgebrachten Klappstühlen, bei Sekt und Wein auf dem Platz zusammen mit überraschten Kiezbesuchern einen aufregenden, entspannten, genussvollen Sommerabend voller Kunst und Harmonie erleben. Man erkannte seinen Kiez kaum wieder, sondern wähnte sich irgendwo mitten in Italien. Tatsächlich ist der Platz seitdem, zumindest tagsüber, wie von einem bösen Zauber befreit, wieder vermehrt von Anwohnern und Passanten genutzt, die es sich in der Sommersonne auf den Bänken gemütlich machen. Was für eine schöne und ungewöhnliche Initiative, das scheinbar Unmögliche wird Realität. Dies sagt mir viel über Rudolf zur Lippe und seine Persönlichkeit, daher die genaue Beschreibung dieser Events.

Rudolf zur Lippe verstarb am 6.9.2019. Wir werden ihn als kunstversierten, eleganten, liebenswerten Nachbarn und Künstler gern in Erinnerung behalten, der viel für dieses Viertel getan hat, und mit der „Stiftung Forum der Kulturen“ (als Gründungsmitglied) weit darüber hinaus.

Berlin, den 9.9.2019
Carl D. Erling


Nachsatz: Man hat den Eindruck, viele in der Nachbarschaft sind sich einig, mehr für den Erhalt der mühsam errungenen besonderen Lebensqualität dieses Viertels tun zu wollen, und zwar jeder auf seine Art und seinen Möglichkeiten: Wir, Kiezcare, wollen Webprogrammierung und Präventionsideen einbringen, private Gärtner verschönern die Beete auf den Straßen mit Blumenbeeten, andere, zum Beispiel unser Zeitungskiosk, sammeln Müll ein, Wirte wie das Blond oder das Café Romeo erhellen ihre Fenster, die Werkstattgalerie gab kürzlich ein Hoffest für Künstler und Nachbarn – und Rudolf zur Lippe kam eben auf die grandiose Idee für ein klassisches Musikkonzert mitten im Kiez.

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